Meine erste aktive Teilnahme an einer Weinrallye, da schwingt durchaus ein Quäntchen Stolz mit, könnt ihr es auch hören?;) Als Iris Rutz Rudel Thema #50 ausrief, Naturwein, war ich hoch erfreut und hab keinen Moment gezögert mitzumachen.
Als ich vor etwas über einem Jahr meinen Online Shop gegründet habe war ganz klar, es darf nur das Beste geben. Keine Kompromisse im Weingarten und bei der Kellerarbeit. Der kleinste gemeinsame Nenner aller meiner Weine ist die biologische Arbeit. Da gibt’s nicht viel daran herumzudiskutieren. Meiner persönlichen Meinung nach ist echte Qualität nicht ohne diese möglich. Ein Zertifikat braucht man dafür natürlich nicht zwingend, aber es bleibt ansonsten immer der fahle Nachgeschmack des Marketinggags. Meine wahre Leidenschaft gehört aber eigentlich nicht Bioweinen per se, sondern Naturweinen. Der großartige Sepp Muster drückt es ganz einfach aus: “Es geht nicht um das Hinzufügen, sondern um das Weglassen.”

Romantik im Weingarten (Foto Weingut Strohmeier)
Es gibt keine einheitliche Definition von Naturweinen, was häufig wie Wasser auf den Mühlen der Kritiker ist. Anders gesehen ist es eigentlich etwas Gutes, es fördert die Individualität der einzelnen Weine. Als Händlerin wünscht ich mir manchmal ein Schlagwort zur Vermarktung, dann bräucht’ man weniger erklären und kosten. Aber hey, ich liebe es diese Weine zu erklären und zu verkosten, Marketing ist eben nicht alles;)
Aber zurück zum Anfang. Es gibt Definitionen von verschiedenen Zusammenschlüssen. Eine davon ist Vinnatur. Winzer aus 9 Ländern haben sich hier gefunden, leider ist (noch) kein deutsches Weingut verteten, aus Österreich jedoch gleich mehrere. Neben bereits genannten Sepp Muster sind die Brüder Ewald Tscheppe – mit dem Weingut Werlitsch – und Andreas Tscheppe mit seinem eigenem Weingut dabei, ebenso wie Franz Strohmeier. Aus dem Kremstal reiht sich Niki Moser -Weingut Sepp Moser – und der Mantlerhof in die Liste ein. Alle diese Weingüter sind biologisch zertifiziert, 3 davon sind Demeterbetriebe.
Der Knackpunkt zwischen Bioweinen und Naturweinen findet in der Weinbereitung statt. “La dolce farniente” sozusagen. Kaum Eingriffe, der Wein darf Wein werden, ohne die Vielzahl von erlaubten Manipulationsmittel (davon sind auch im biologischen Weinbau mehr erlaubt als viele meinen). Bei Vinnatur zum Beispiel ist eine minimale Schwefelgabe erlaubt.
“Filtrierter Wein ist wie Liebe mit Kondom, und zugesetzte Säure ist wie eine Rüstung, hinter der Rebsorte, das ‘terroir’, der Charakter des Jahrgangs und die Persönlichkeit des Weins versteckt werden.” Dieses Zitat ist von Michel Chapoutier aus Hermitage, der übrigens erst kürzlich Naturweine stark kritisiert hat.
Ich persönlich habe nichts gegen Schwefel, im Gegenteil, ich finde es gibt den Weinen häufig etwas zusätzliche Struktur (oder bewahrt es die Struktur besser?) und macht sie strammer. Doch es gibt auch glänzende Ausnahmen. Schwefel ist mehr als nur ein Konservierungsmittel, es ist ein Stilmittel. Das leidige Thema Kopfweh oder (negative) gesundheitliche Auswirkungen haben bei diesen Mengen ohnehin keine Relevanz. Vor einigen Wochen fragte ich Sepp Muster nach seinen Motiven so wenig wie möglich bis gar keinen Schwefel zu verwenden. Aus welchen Gründen auch immer, ich hatte eine philosophische Antwort erwartet, doch Sepp Muster überraschte mich, seine Antwort war genauso präzise wie seine Weine: “Unser Grund ist sehr einfach. Wir wollen den Wein soweit wie möglich mit Hilfsmitteln unberührt lassen.” Tja, dem bleibt nicht mehr viel hinzuzufügen. Im Grunde ist es DIE Definition von Naturwein.
Die Gärung erfolgt mit Umgebungshefen (allerdings kann es durchaus sein das aus einer Reinzuchthefe eine Umgebungshefe wird nachdem sich diese im Weinkellermilieau festgesetzt hat), der Wein sollte weder geschönt noch stabilisiert werden, nur mit einer minimalen Mengen Schwefel, wenn überhaupt, kurz vor der Abfüllung in Berührung kommen (Maische und Mostschwefelungen sollten nicht dazu gehören). Der Weg auf die Flasche sollte dann natürlich ungefiltert folgen. Wie ihr seht gibts eine Menge sollte und falls. Auf den ersten Blick ist dieser Zustand eine Farce, auf den zweiten nicht mehr. Auch Naturweinwinzer ernähren gerne ihre Familie und zahlen ihre Rechnungen, so kann es manchmal zu minimalen Eingriffen kommen um einen guten Wein zu keltern. Der Eingriff lautet dann aber nicht Gummi Arabicum, sondern Bentonit. Im Notfall.
Als ich mich auf die Suche nach dem richtigen Wein für diesen Beitrag machte kam ich in ein großes Dilemma. Mein erstes Gefühl war keinen Wein aus meinem eigenen Shop zu nehmen, wir sind ja hier nicht bei einer Verkaufsveranstaltung;) Je mehr ich jedoch darüber grübelte desto klarer wurde aber das daran einfach kein Weg vorbei führt. In meiner Online Weinhandlung finden sich einige der renommiertesten Naturweinwinzer, ich kenne die Menschen dahinter, die Weinberge und die Keller. Ich konnte nicht mehr anders, einer “meiner” Weine musste her.
Die Qual der Wahl fiel schlussends auf Franz Strohmeier. Egal ob sein Sekt, der einfache Schilcher (eine regionale Spezialität, ein Rosé aus der Blauen Wildbacher Traube) oder seine Serie “Trauben, Liebe und Zeit”, alle kommen sie ohne zugesetzten Schwefel aus.

Franz Strohmeiers Weißburgunder aus der Linie “Trauben, Liebe und Zeit” ist schon etwas ganz besonderes und jeden Cent wert. Vielschichtig klingt hier wie eine Untertreibung, Quitten, Weißbrot, Honig, Lakritze, Mandeln, Zitruszesten. Die Aromen entwickeln sich ständig weiter, über Tage. Der entgültige WOW-Effekt setzt dann am Gaumen ein. Ein volles Mundgefühl, eine präsente, gut eingebundene Säure, feine Gerbstoffe, salzig, die Aromen aus der Nase finden sich wieder. Und der Abgang? Um es in schöner Sommeliersprache auszudrücken: Der lange Abgang wird von den mineralischen Noten getragen;) Entwicklungspotenzial ist auf alle Fälle da, alle die schwefelfreien Weinen die Lagerfähigkeit absprechen sollten sich das in den Keller legen, wir unterhalten uns dann in einigen Jahren….
Im Rahmen der Linie “Trauben, Liebe und Zeit” entsteht auch ein Rotwein (Blauer Zweigelt mit etwas Blauer Wildbacher gewürzt) und ein sensationeller Rosé, ebenfalls aus Blauen Wildbacher. Auch diese beiden Weine haben internationales Format und wären einen eigenen Beitrag wert.

"die Bilddrehung wird nicht unterstützt" sorry Leute!
Statt einer herkömmlichen Kapsel tragen diese 3 Weine, die übrigens nicht als Qualitätsweine sondern als Bergweine deklariert sind, eine Kapsel aus Papier. Daraufgedruckt findet sich einiges über die Philosphie von Christine und Franz Strohmeier, zusammengehalten von einem Stück Spagat. Als meine Kinder die Kapsel fanden haben sie Fingerpuppen daraus gebastelt, das nennt man dann wohl gelebte Nachhaltigkeit;)
Natürlich hab ich aber auch den Blick über meinen eigenen Tellerrand gewagt. Bei Biobasic habe ich einen schwefelfreien Pinotage von Stellar Organics erstanden. Der südafrikanische Biowein war auch mit dem Fair Trade Logo versehen und dem Aufdruck “vegan friendly”. Somit scheidet ein Teil der Weinbehandlungsmethoden schon aus, man ist wohl schon relativ nahe am “Naturwein”. Für einen Supermarkwein und den geforderten Preis von € 7,49 war der Wein absolut ok, mehr aber auch nicht. Kein Erlebnis. Ob der Grund für meine fehlende Freude die Rebsorte oder der Wein an sich ist, wird wohl nie restlos geklärt werden;)
Naturwein ist stehts ein spannendes Thema, die Weine können wie Tag und Nacht sein, wie auch bei konventionellen Produkten. Hier gilt es zu kosten, mutig sein und neues entdecken, ihr werdet es nicht bereuen…
Für alle die mehr über die Weinrallye an und für sich wissen wollen gibt es hier mehr Infos.
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